Mittwoch, 8. August 2012

Eigentlich wollte ich nur feiern

Eigentlich wollte ich nur feiern: „30 Jahre psychologische Beratung durch Gunter König in Schwäbisch Hall.“ Und dann geschah so viel mehr. . .


Das hatte ich mir so schön ausgemalt: Mit Freunden und Weggefährten, mit Kunden und Kollegen das Geleistete würdigen und schöne Stunden miteinander verbringen.
Dass es ungewöhnlich ist, als Freiberufler zu einem solchen Fest einzuladen, darüber war ich mir schon klar. Meist sind es ja größere Unternehmen, die solche Jubiläen feiern. Ich habe mir bewusst   diese Freiheit genommen – manche Regeln wollen immer wieder neu interpretiert werden. Und jetzt, Wochen nach dem Fest, bin ich überzeugt, dass  jeder, der im Beruf steht, das immer wieder machen sollte. Es ist wie eine Neujustierung im beruflichen Leben und im Selbstverständnis. Es ist außerordentlich, was ausgelöst wurde. Doch der Reihe nach.

Damit meine Gäste wohlgestimmt feiern und gerne daran zurück denken, hatte ich mit Zeit  für die Vorbereitung genommen. Diesen Tipp gebe ich gerne weiter – denn, Sie wissen ja - Vorfreude ist ein schöner Teil der Freude. Es lohnt sich aus vielerlei Gründen, sich Gedanken zu machen, wie man feiern möchte. Frauen, die mit Hingabe Familienfeste wie Weihnachten vorbereiten, machen das schon immer. Uns Männern ist dieses Wissen  möglicherweise nicht so nahe liegend.

Bei der Planung ließ ich mein Leben Revue passieren. Ich machte mir Gedanken, welche Menschen mir auf meinem Weg entscheidend waren - und sie eingeladen, als Redner oder als Gast. Meine Wegstationen darstellen, meine Entwicklungen aufzeigen – all das, was ich sonst in meiner Praxis meinen Klienten biete sollte nun Teil des Festes sein. Es sollte eine Würdigung meiner Arbeit sein, aber auch die Botschaft enthalten: "Seht her, hört her: Das alles ist möglich in der Psychologie und mit Psychologie."

Und natürlich wollte ich  feiern! Es sollte allen schmecken, es sollte schön sein. Ich  hatte zuvor die Speisen gekostet, Weine und Sekte probiert - allein das war schon ein Genuss und steigerte die Vorfreude. Ich hatte mir Gedanken gemacht über die Musik und über die Blumen. Ein Teil der schmückenden Sonnenblumen waren übrig geblieben und erinnerten mich noch Tage nach dem Fest beim Nachhausekommen daran, wie schön der Abend war.

Und dann war er da, der Donnerstag im Juli.

Dass Reden auf mich gehalten werden würden, wusste ich ja. Darum hatte ich gebeten. Scherzend sagte ich noch zu Beginn des Abends, ich wollte nicht warten, bis lobende Grabreden gehalten werden, die ich ja dann doch nicht mitbekäme. 

Frohgemut und erwartungsvoll saß ich in der ersten Reihe im Saal.

Doch was dann kam, hat mich überwältigt.

Ih dachte, ich sei vorbereitet und wüsste was kommt.

Aber was ich nicht bedacht hatte, war, was das alles mit mir machen würde.

Ich war überwältigt.

Es war kaum auszuhalten. Das war so was von schön.

Es hat mich vor Wonne, vor Glück fast zerrissen.

Jeder der Redner hatte etwas herausgegriffen – aus seinem und meinem Leben und wie einen Edelstein geschliffen, poliert und gefasst.

Etwa Herr … vom Regierungspräsidium Stuttgart. Er erzählte, wie er seit der Schulung im vergangenen Jahr durch mich einen neuen Blick auf  die Kostbarkeit des Augenblicks bekommen hat.

Oder der Geschäftsführer Herr … von der Haller Diakonie. Wie er meine Gäste dazu bewog, mit Schalk und Fröhlichkeit den Refrain seiner Rede mitzurufen: „Der Gunter, der König von Hall.“ Was für eine Idee!

Oder Herr … vom Sonnenhof. Der einen Blick in den Himmel wagte und meinte, ich müsste dort der Anführer der himmlischen Lachbrigade sein!

Sehr berührt hat mich die Schilderung von Herrn …. Wie er erzählte, wie meine Begleitung ihm geholfen hat, dass er sein Leben trotz Krankheit in seiner Fülle genießen kann. Und dass er sofort den Therapeuten gewechselt hätte, wenn er gewusst hätte, dass er Jahre später bei einem solchen Fest eine Rede halten müsste.

Das sind Augenblicke, die mich innerlich wieder und wieder bewegen.

Das alles berührt mich so und ich kann noch gar nicht alles richtig fassen. Es wirkt sich aus – jetzt, indem ich mich wieder und wieder daran freue. Ich bin mir sicher, es wird sich auch mittelfristig für mich auswirken. Ich habe dadurch einen neuen Blick auf mich und meine Arbeit bekommen.

Irgendwie hat es auch etwas märchenhaftes.

In Märchen bekommen Neugeborene von guten Feen und guten Menschen etwas in die Wiege gelegt. Gaben, die ihnen auf ihrem Lebensweg wichtig sind.

Bei diesem Fest wurde ich reich beschenkt.

Doch die Situation ist eine andere: Ich bin kein neugeborener Knabe mehr, ich habe einen großen Teil meines Lebens gelebt. Und so fallen die Geschenke, die ich bekommen habe, anders aus.

Die Gaben spiegelten einen Teil dessen wieder, was ich in meinem Leben in die Welt getragen habe – sie zeigten auch, was ich aus den Geschenken, die mir in die Wiege gelegt worden sind, gemacht habe.

Das macht mich glücklich, das ist ein großer Schatz, den ich zurückbekommen habe.

„Danke“ an alle, die dazu beigetragen haben.

Gunter König

Übrigens: Fotos und Filmsequenzen des Festes können demnächst auf meiner Homepage abgerufen werden.


Montag, 9. Juli 2012

Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.

KönigsImpulse im Juli

Eine Handreichung für Menschen, die sich entfalten wollen.

Die KönigsImpulse dienen der Inspiration, dem Dranbleiben und Innehalten.


ã Ufuk Arslan, dem ich herzlich für den Gebrauch des Bildes danke!


Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist,

den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. 
                                                                                                                                                     Virginia Satir
Guten Tag,

Das Thema heute: Sich Raum geben, sich Raum nehmen!

Wir werden geboren, nehmen uns den Raum, bis wir wieder gehen und dann vielleicht noch zwei Quadratmeter Raum auf dem Friedhof oder einen knappen halben Kubikmeter in einer Urnenwand beanspruchen. Sich Raum geben hat viele Dimensionen - die rein körperliche, die sich auch in der Stadtplanung, der Architektur, der Inneneinrichtung ausdrückt und eine seelische. Wie viel Raum gebe ich der Person, die ich bin, wie viel Aufmerksamkeit (und damit Raum) der Person, die ich sein möchte?

Eine Gelegenheit zu fragen:

              - Wofür möchte ich bekannt sein?

              - Für was möchte ich geliebt sein?

              - Was soll im Nachruf über mich 
                geschrieben sein?

Erlauben Sie es sich, so zu sein, wie Sie sein möchten.

Fallen Sie aus einengenden Vorgaben Ihrer Rolle - und damit aus der Falle.

Mich hat in meiner Entwicklung zur Freiheit maßgeblich Virginia Satir beeinflusst. In der leider nur kurzen Zusammenarbeit mit dieser überragenden und beeindruckenden amerikanischen Psychotherapeutin, habe ich gelernt, mir zu erlauben, anders zu sein: so wie ich bin. Das prägt seither meine Arbeit, wie mir jetzt bei den Vorbereitungen zum Fest "30 Jahre psychologische Beratung Gunter König in Schwäbisch Hall" wieder bewusst wird. Auch das von mir entwickelte therapeutisch-systemische Handwerkszeug INSZENARIO® (
http://www.gunter-koenig.de/inszenario/) dient dazu, meinen Gesprächspartnern entdecken zu lassen, dass sie frei sind, dass sie Spielräume und Wahlmöglichkeiten sowohl in ihrem Umfeld haben, wie auch innerhalb ihres Denkens und Fühlens. (Heute falle ich aus meinem eigenen Rahmen: so viele Schachtelsätze habe ich schon lange nicht mehr genutzt.) Mit dem Feiern von "30 Jahre psychologische Beratung Gunter König in Hall" gebe und nehme ich mir den Raum, den sich sonst nur Firmen oder Institutionen geben. Ich denke: auch Freiberuflern steht frei, ein solches Jubiläum zu nutzen um inne zu halten und einen größeren Bogen Leben in den Blick zu nehmen. 

                     - Welchen Weg bin ich gegangen?

                     - Was war mir dabei wichtig?

                     - Was habe ich bewirkt?

                     - Bin ich mir und meinen Werten treu
                       geblieben?

                     - Was steht jetzt an?

Soweit für heute. Und falls Sie mit mir etwas beleuchten wollen, etwas in Ihrem Leben mehr Raum geben möchten - Sie wissen ja: Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.


Ihr Gunter König


Montag, 11. Juni 2012

Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich,,

KönigsImpulse im Juni
Eine Handreichung für Menschen, die sich entfalten wollen.
Die KönigsImpulse dienen der Inspiration, dem Dranbleiben und Innehalten.


„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.“       Michael Ende

Jetzt beginnt der Juni, bald ist Halbzeit 2012. Mit der Sommersonnwende am Monatsende werden die Tage wieder kürzer, während der Hochsommer gerade erst beginnt. Das ist ein ganz besonderer Abschnitt im Jahreslauf - während im Mai die aufblühende Natur die Lebenslust herauskitzelt, ist der Juni der Monat der puren Freude und der Leichtigkeit. Wäre der Juni eine Frau, sie wäre Anfang 30, hätte den Arm voller Blumen und sänge Lieder. Wohl sähe sie den Schweiß auf der Stirn, Trauer oder Angst - doch mit heiterer Zuversicht und Zutrauen sänge sie Freude ins Gemüt. Wäre der Juni eine Farbe - welche Tönung hätte er? Wäre er ein Duft - was würden Sie riechen?

Vor der Sonnwende ist die richtige Zeit für eine Verschnaufpause auf dem Weg. Also: Eine Bank am Wegesrand suchen, Rucksack absetzen, Vesper auspacken und  ausruhen. Von der Bank aus lässt  sich die Aussicht genießen, und Sie können sich die zurückgelegte Wegstrecke bewusst machen.

Etliche Anregungen gab's bislang im Jahr der Selbstfürsorge: Im Januar das Jahresmotto-Finden, im Februar das Maskenspiel, im März und April die Selbstreflektion und im Mai das Aufspüren der Kernsätze.
Was haben Sie entdeckt? Nehmen Sie sich Zeit, sich Ihre Erkenntnisse nochmals zu formulieren: Was möchten Sie dieses Jahr verändern? Welche alten Rollen möchten Sie ablegen, mit welchen neuen Masken spielen? Sind Sie freundlich und wohlwollend sich selbst gegenüber? Wie lauten die Kernüberzeugungen, die Sie ablegen möchten, wie die neuen, die Sie ins Leben tragen möchten?

Ich hoffe, Sie haben aus der Fülle, das für Sie Passende ausgewählt.
Freuen Sie sich daran!
Feiern Sie Ihre Wahl: Wie wäre es, Freunde zu einem abendlichen Überraschungsfest einzuladen?

Bevor Sie sich wieder auf Ihren Weg machen, möchte ich Ihnen die Geschichte von Beppo, dem Straßenkehrer, wiedergeben, aus dem Buch Momo von Michael Ende. Sie hat mich gelehrt, mich anders im Getümmel zu bewegen.

Viel Freude auf Ihrem Weg.
Ihr Gunter König

Weisheit von Beppo, dem Straßenkehrer

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit. Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Schritt – Atemzug – Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter – Schritt – Atemzug – Besenstrich ---.
Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die sauber, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.
„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „Es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“ Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“ Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“

Michael Ende aus Momo

Donnerstag, 10. Mai 2012

Hier stehe ich und kann nicht anders, als blühen.

KönigsImpulse im Mai

Eine Handreichung für Menschen, die sich entfalten wollen. Die KönigsImpulse dienen der Inspiration, dem Dranbleiben und Innehalten.



Hier stehe ich und kann nicht anders, als blühen.


 Apfelblüten: zart, rosa und weiß.

Unsichtbar trägt die Blüte schon die spätere Frucht in sich – eine Verheißung.

So wie Kernüberzeugungen verborgen im Inneren wirken und sich später in Taten ausdrücken.


Guten Tag,

noch immer freue ich mich an meinem Jahresmotto –„Selbstfürsorge!“

Und merke im täglichen Tun, wie schwer mir manches Mal fällt, meinem Motto treu zu sein. Lächelnd beobachte ich, wie ich mich selbst austrickse und dann doch wieder neue Kunden annehme, weil die Menschen und Themen einfach zu besonders sind.

Doch zum Thema heute: Kernüberzeugungen.

Erinnern Sie sich an die Newsletter im April? „Wie rede ich mit mir?“ lautete eine Frage.  Meine Empfehlungen waren: Inne halten, hinschauen, hinhören, in sich hineinspüren und wahrnehmen. Und dann freundlich mit sich und anderen sein und schließlich handeln.

Heute will ich Sie einladen, weiter sich selbst zu entdecken, Ihre vielfältige Persönlichkeit zu erforschen. Das wird Ihnen möglicherweise Mühe machen.

Wie geht das, die Kernüberzeugungen kennen zu lernen?

Viele dieser Einstellungen sind in die Wiege gelegt worden – von Eltern, von Menschen, mit denen wir leben. Andere haben in nächtelangen Diskussionen oder durchs Nachdenken Form angenommen. Wieder andere sind aus Erfahrungen geronnen. Manche sind uns gar nicht bewusst.

Einige meiner Kernüberzeugungen:

„Jeder Fremde ist ein potenzieller Freund.“ oder: „Jeder ist auf der Welt, um zu wachsen, sich zu entwickeln, das Beste aus sich zu machen.“ Oder: „Froh zu sein bedarf es wenig…“

Also, wann immer Sie inne halten, spüren Sie zusätzlich nach, welche Kernüberzeugung in Ihrem Inneren wirkt, welche Haltung Sie sich selbst gegenüber einnehmen, anderen gegenüber oder was Sie über die Welt denken. Notieren Sie Ihre Gedanken.

etwa: „Arbeit geht vor.“ 
oder: „Ich muss es allen recht machen!“
oder: „Ich mach’s besser als jeder.“


Beobachten Sie Ihre Gewohnheiten. Von was sind Sie überzeugt? … und was leben Sie tatsächlich? Etwa, wenn Sie gehetzt, in Eile sind. Eigentlich wissen Sie ganz genau, fünf Minuten Pause würden Ihnen gut tun und das Arbeitsergebnis verbessern. Aber, Sie machen’s nicht.

Welche Ihrer Kernüberzeugungen widersprechen sich? Etwa: Sie wollen ökologisch leben. Und gleichzeitig  Spaß haben und die Welt entdecken.

Notieren Sie Ihre Kernüberzeugungen in eine kleine Kladde.
Verschaffen Sie sich einen Überblick.


Freuen Sie sich an der Vielschichtigkeit Ihrer Person.

Lassen Sie die Kernüberzeugungen auf sich wirken und spüren Sie nach, welche eine tiefe Bedeutung für Sie haben.

Soweit für heute, bis nächsten Monat. Und wenn Sie zuvor mit mir etwas beleuchten wollen  - Sie wissen ja:  Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.

Ihr Gunter König

Donnerstag, 5. April 2012

Eure Rede sei allzeit lieblich, doch mit Salz gewürzt. Kolosserbrief 4.6


Guten Tag,

Die Tasse gleitet aus der Hand, und mit einem Knall zerbirst das Porzellan in tausend Stücke. „Was bin ich für ein Idiot“, entfährt es dem Mann. Seine Frau öffnet die Tür, sieht den Scherbenhaufen und lächelt dem Mann zu: „So viel Glück auf einmal.“ 

Ja, der Mann hat’s wirklich gut, so eine Frau an seiner Seite zu haben.

Doch sein Wohlbefinden – und das seiner Frau - könnte er noch steigern.

Wie wär’s damit:

Die Tasse gleitet aus der Hand, und mit einem Knall zerbirst das Porzellan in tausend Stücke.

„Oh, Scherben bringen Glück“, sagt der Mann. Ihm fällt ein, dass die Tasse eh’ schon eine Macke hatte. „Schatz“, ruft er seiner Frau zu, die just in diesem Augenblick aus dem Nebenzimmer kommt, „wolltest Du nicht mal wieder einkaufen gehen? Ich glaub’ wir brauchen zwei, drei neue Tassen.“ 

Die gleiche Ausgangsbasis – und doch ein anderes Ergebnis.  Schauen wir uns doch einmal das Gespräch genauer an, vor allem die Selbstkommentierung des Mannes.

Die inneren Gespräche laufen meist automatisiert ab, und unbemerkt sowie unbewusst färben sie die Seele und die Stimmung.  Beobachten Sie sich, wie sie mit sich umgehen, mit sich sprechen. Machen Sie sich schlecht, reden Sie abfällig über sich? Oder ist der Ton freundlich? Respektvoll? Liebenswürdig? Humorvoll? 

Welche Folgen hat der Zuspruch, den wir uns selbst zukommen lassen? 

Wie wir uns bezeichnen, heißen oder benennen drückt unsere Haltung uns selbst gegenüber aus. Halte ich mich für wichtig und liebenswert? Diese Haltung  zeigt sich in Aufrichtigkeit, Achtsamkeit, Freundlichkeit – gegenüber sich selbst und den anderen. Biblisch heißt es: Eure Rede sei allzeit lieblich, doch mit Salz gewürzt. Also: Freundlich im Ton, doch in der Essenz  wahrhaftig sein. 

Die Art und Weise wie wir mit uns sprechen beflügelt unser Tun. Schimpfe ich: „Mein Gott König, Du schaffst es nie!“ werde ich mich möglicherweise niedergeschlagen in mich zurückziehen. Sage ich dagegen: „Na, lieber Herr König. Da kannst Du ja noch was dazu lernen“, dann ist die Chance größer, dass ich die Ärmel hochkrempele, schmunzle und schaue, was ich machen kann. 

Die inneren, zusprechenden Monologe können uns wie ein guter Freund durch den Tag begleiten. Ein Beispiel gefällig?

Vergangene Woche war ich bei einem  geschätzten Geschäftskunden zu einem Gespräch.  Ich war guter Dinge und schrieb am Vorabend in mein Tagebuch: „Ich geh’ hin und hol’ mir einen Auftrag ab.“

Das hob noch am nächsten Morgen meine Stimmung. Ich fühlte mich wohl und war zuversichtlich.  Bewusst entschied ich mich dafür, meine Talente zu sehen, mir goldige Aussichten auszumalen. Gleichzeitig stutzte ich meinen Übermut, indem ich mich kommentierte: „Ganz schön überheblich!“ Dennoch: Ich freute mich auf das Gespräch und erinnerte mich bei der Anfahrt an die Entwicklungen, die ich in der Firma zuletzt angestoßen hatte.

Das Gespräch lief gut. Und noch während wir verhandelten, wurde mir  bewusst, dass mir mein Gesprächspartner sympathisch ist. Bewusst formulierte ich in Gedanken die Worte: „Ich spreche mit einem liebenswürdigen Menschen.“  Wenn ich das denke, strahle ich das auch aus, denn mein Gegenüber nimmt meine selbstbewusste und gleichzeitig ihm zugewandte Haltung wahr. Die Chance, dass wir uns einander öffnen und einig werden, steigt – und es macht darüber hinaus allen Beteiligten Freude.  

Ich fuhr mit dem Vertrag in der Tasche heim und schenkte mir zur Feier des Tages eine Taschenuhr. Dieser schöne Handschmeichler wird mir künftig nicht nur zeigen, was die Stunde schlägt, sondern mich auch an dieses gute Miteinander erinnern. 

Soweit für heute, bis nächsten Monat. Und wenn Sie zuvor mit mir etwas beleuchten wollen  - Sie wissen ja:  Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.  

Ihr Gunter König

Dienstag, 13. März 2012

Wenn Du etwas nicht erkennen kannst, bist Du vielleicht zu nah dran!

KönigsImpulse im März

Eine Handreichung für Führende und Menschen, die sich entfalten wollen. Die KönigsImpulse dienen der Inspiration, dem Dranbleiben und Innehalten.

 
bist Du vielleicht zu nah dran.
Guten Tag,
Erinnern Sie sich noch an den ersten Königsimpuls in diesem Jahr?
Mein Jahr 2012 habe ich unter das Motto „Selbstfürsorge“ gestellt: Ich sorge dafür, dass es mit gut geht.
Welches Motto haben Sie gewählt, ist es Ihnen noch gegenwärtig?
Wie haben Sie ihr Thema umgesetzt?

Unterbrechen Sie kurz ihre Lektüre: Wie können Sie – noch heute – etwas Neues im Sinne ihres Jahresmottos unternehmen?
Frisch darauf zu. Und freuen Sie sich daran.

Augen: Vom frühen Morgen an, vom ersten Blick auf die Uhr nutzen wir unseren Seh-Sinn, um die Welt zu erkennen und um uns darin zurechtzufinden. Während der Hör-Sinn viel schneller überreizt ist, scheinen wir mit den Augen fast unbegrenzt Bilder aufnehmen zu können. Wir nutzen bevorzugt Medien, die Informationen über Fotos oder Filmsequenzen vermitteln. Stundenlang am Computer zu arbeiten, zu lesen, Fernzusehen – kein Problem.
Wir Menschen sind Augentiere.
Und dennoch: Wenn wir uns im Räderwerk des Alltags befinden, wenn wir uns im Rhythmus des Arbeitstaktes bewegen, können wir dann die Welt noch wirklich sehen?

Um wahrnehmen zu können, was ist, um vom Sehen zur Einsicht, zur Übersicht, zum Durchblick, zur Erkenntnis zu kommen, ist es nötig, innezuhalten.

Dazu reichen wenige Minuten.

Bleiben Sie im Jetzt.

Das Jetzt – so wissen wir – dauert genau drei Sekunden.
Jetzt.

Und dann wieder: Jetzt.

Drei Sekunden. Das sind etwa drei Herzschläge im entspannten Zustand.

Drei Sekunden. Das ist ein Glockenschlag vom Turm der Haller Michaelskirche.

Drei Sekunden. Das ist der Moment, bis eine Passantin meinen Blick aufnimmt und ihn mit einem Lächeln erwidert.

Gerne lade ich Sie ein: Üben Sie am Tag einige Augenblicke lang in sich hineinzuschauen, hineinzuspüren. Sind die Schultern verkrampft, die Beine bewegungslustig? Wie ist das Energielevel – bei 30, 50 oder 80 Prozent?

Beobachten Sie aus dieser Ruheposition, wie schnell der Lebensrhythmus ist, und klinken Sie sich einen Moment aus. Gönnen Sie sich einige  Momente lang eine Atempause.
Tief Luft holen, lächeln und mit entspannten Augen schauen.

Mit dieser Übung – Sie werden es merken – sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.

Und: Wenn Sie aus dem Innehalten in den Dialog treten wollen – Sie wissen ja. . .

Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.

Ihr Gunter König

Donnerstag, 9. Februar 2012

Eine Handreichung für Führende und Menschen, die sich entfalten wollen.


Mit der Zeit wird die Maske zum Gesicht.


Guten Tag,

Fasching, Fastnacht, Karneval: sich ausgelassen gehen lassen, Unerhörtes tun, Schabernack treiben – was für ein befreiendes Vergnügen.

Es ist Spiel, Unsinn, eine Gaudi, eine Verheißung. . .

Gerne erinnere ich mich an einen Faschingsball vor gut 40 Jahren, an dem ich an einem Abend in drei verschiedene Rollen schlüpfte. Ich trug einen Trenchcoat, ein gestreiftes Hemd, einen Schal und ein französisches Käppi. Erst spielte ich den Detektiv, den Schnüffler. Als ich den Mantel abgelegt hatte, nahm ich die Pose des Philosophen und Lebenskünstlers ein. Schließlich nahm ich den Hut ab und band mir den Schal als Schärpe um die Hüften. Jetzt war ich Seeräuber. Welch ein Vergnügen!

In andere Kleider und andere Rollen schlüpfen, sich eine Maske aufsetzen, das machen wir auch im Alltag. Als Coach bin ich mal Trainer, mal Clown, mal Lehrer, mal Begleiter, mal Therapeut- je nachdem, was die Situation erfordert, je nachdem, was in mir mit schwingt.

Masken wirken nach Innen und Außen: Eine Rolle kann nur ausgefüllt werden, wenn in mir Resonanz ist, wenn sie stimmig ist. Wenn die Maske auch Ausdruck von dem ist, was ich in mir trage. Durch die Maske schimmert immer auch ein Teil meiner Person durch und zeigt klar geschnitzt, wer ich in dieser Situation bin oder sein möchte. Gleichzeitig schützen Maske und Rollenspiel die verborgene Person.

Es ist manchmal eine Herausforderung, leicht von einer Rolle zur anderen zu wechseln (etwa erst fordernder Teamchef zu sein, dann unterstützender Kollege). Das geht leicht, wenn Sie sich die Widersprüchlichkeiten der Rollen bewusst machen.

Manchen wächst, wie im Eingangszitat geschrieben, die Maske ans Gesicht und erstickt, fesselt das Leben des Maskenträgers. Wer nur noch das tut, was die anderen oder die Situation erfordert, und nicht den vielstimmigen Chor der inneren Stimmen hört1, ist im wahrsten Sinn des Wortes selbst-los.

Ich möchte Sie einladen, ihren un-erhörten, verschämten oder unbekannten Stimmen zuzuhören. Kosten Sie’s aus, mal anders zu sein. Seien Sie neugierig auf sich. Sie können frei wählen, wen Sie spielen möchten. Sie können auch nur so tun als ob („ich bin so ganz anders"). Horchen Sie in sich hinein, was in Ihnen mitschwingt. Schöpfen Sie aus der Fülle Ihres inneren Reichtums. Und: Kosten Sie die Rollen aus, schlüpfen Sie in die Verkleidung, gestalten Sie die Posen und Gesten und Mimiken, sprechen Sie eine andere Sprache!

Viel Freude beim Entfalten und Ausschöpfen Ihrer Selbst

Ihr Gunter König